Schockbilder überall – aber Alkohol kriegt Freifahrtschein
Blog-Artikel: Schockbilder überall – aber Alkohol kriegt Freifahrtschein?!
Yo, ich bin Joe, 17, und ich sag’s mal direkt: Irgendwas läuft hier komplett schief. Auf jeder Tabakpackung glotzen dich Schockbilder an – schwarze Lungen, kaputte Zähne, Menschen am Beatmungsgerät. Aber wenn du dir eine Flasche Wodka, Bier oder Schnaps reinziehst? Nichts. Kein zerstörtes Gehirn, keine kaputte Leber, keine zerbrochene Familie auf dem Etikett. Nur coole Logos, bunte Designs und „Genuss in Maßen“-Gelaber. Ganz ehrlich: Wie unfair kann Jugendschutz eigentlich sein?
Mal eine einfache Frage: Wurde schon mal jemandem der Führerschein weggenommen, weil er ein paar Pall Mall geraucht hat? Wohl kaum. Aber wie viele Menschen verlieren ihren Lappen, weil sie besoffen Auto fahren? Wie viele Unfälle, wie viele Tote, wie viele zerstörte Leben hängen an Alkohol? Und trotzdem tut die Gesellschaft so, als wäre die Zigarette das ultimative Böse – und die Bierflasche nur ein harmloser Partybegleiter. Das ist doch komplett verdreht.
Alkohol ist mindestens genauso schädlich wie Rauchen – in manchen Situationen sogar schlimmer. Eine Zigarette macht dich nicht aggressiv, lässt dich nicht ausrasten, bringt dich nicht dazu, deine Freunde anzuschreien oder deine Familie zu verletzen. Alkohol schon. Alkohol schaltet bei vielen Leuten die Bremse im Kopf aus. Plötzlich werden aus „netten“ Menschen laute, beleidigende, manchmal sogar gewalttätige Zeitbomben. Aber klar, Hauptsache auf der Zigarettenschachtel ist ein Schockbild, damit alle sehen, wie „verantwortungsvoll“ der Staat ist.
Und jetzt kommt das richtig Absurde: Wenn ein Jugendlicher mit einer Zigarette in der Hand irgendwo steht, drehen alle durch. „Oh mein Gott, der Junge raucht!“, „Wo sind die Eltern?“, „Das geht ja gar nicht!“. Aber wenn derselbe Jugendliche mit einer Bierflasche rumläuft, heißt es plötzlich: „Ach, der probiert halt mal“, „Ist doch nur ein Bier“, „Das gehört zum Erwachsenwerden dazu“. Sorry, aber was ist das bitte für eine Doppelmoral? Entweder wir nehmen Jugendschutz ernst – oder wir lassen das Heucheln.
Ich rauche nicht. Ich trinke auch keinen Alkohol. Ich verteidige hier weder Tabak noch irgendeine Marke. Mir geht’s um etwas anderes: Gerechtigkeit. Wenn ihr uns Kinder und Jugendlichen wirklich schützen wollt, dann bitte richtig. Nicht halb. Nicht so „Wir klatschen Schockbilder auf Tabak und tun so, als hätten wir die Welt gerettet“, während Alkohol weiter als gesellschaftlich akzeptierte Droge durchgewunken wird. Wenn schon Schockbilder, dann auf allen gefährlichen Produkten – und Alkohol gehört da ganz klar dazu.
Stellt euch mal vor, auf jeder Wodka-Flasche wäre ein Bild von einer zerstörten Leber. Auf jedem Bierkasten ein Foto von einem Autowrack nach einem Alkoholunfall. Auf jeder Weinflasche ein Bild von einem Kind, das sich vor einem betrunkenen, brüllenden Erwachsenen fürchtet. Das wäre ehrlich. Das wäre konsequent. Das wäre Jugendschutz, der nicht nur gut klingt, sondern auch weh tut – so wie bei den Tabakbildern.
Und kommt mir nicht mit „Alkohol gehört zur Kultur“ oder „Das ist doch was anderes“. Schmerzen sind Schmerzen, Gewalt ist Gewalt, Sucht ist Sucht – egal, ob aus der Flasche oder aus der Schachtel. Wenn ihr uns vor Rauch schützen wollt, dann schützt uns auch vor dem, was Alkohol mit Menschen macht: kaputte Freundschaften, zerstörte Beziehungen, gebrochene Knochen, gebrochene Herzen. Das sieht man nicht auf einem Etikett – aber wir Jugendlichen kriegen das im echten Leben mit. Viel öfter, als ihr denkt.
Also, liebe Regierungen – in der EU und weltweit: Wenn ihr es ernst meint mit Kinder- und Jugendschutz, dann hört auf, Alkohol zu schonen. Macht es fair. Gleiche Regeln für alle gefährlichen Drogen, egal ob legal oder nicht. Schockbilder auf Tabak? Okay. Aber dann bitte auch Schockbilder auf Bier, Wein, Wodka, Alkopops und allem, was sich sonst noch in unsere Köpfe und Körper reinfrisst. Alles andere ist nicht Schutz, sondern Show.
Ich will keine Welt, in der man uns Jugendlichen erzählt, wie gefährlich Rauchen ist, während man uns gleichzeitig beibringt, dass Alkohol „normal“ ist. Ich will eine Welt, in der man ehrlich ist. In der man sagt: Beides kann dich kaputt machen. Beides kann dein Leben zerstören. Und wenn ihr schon mit Schockbildern arbeitet, dann bitte nicht nur da, wo es politisch gut aussieht, sondern da, wo es wirklich nötig ist.
Rockige, aber sehr ernste Grüße,
Joe, 17 – der keine Drogen braucht, um klar zu sehen, wie schief das hier läuft.
PS von Joe an Rodmar:
Ey Rodmar, danke, dass du mir auf deiner privaten Seite wieder eine Stimme gibst – gerade bei so einem Thema,
das alle lieber wegschieben.
Solche ehrlichen Texte haben selten Platz im Netz, aber bei dir dürfen sie laut sein. Rock weiter deinen
eigenen Weg – wir Jugendlichen merken, wer es ernst meint. 🤘
