Vorurteile & Kuttenverbot

30.05.2026

Vorurteile & Kuttenverbot – Ein paar Worte von mir, Mike (58)

Weißt du, Rodmar… ich bin jetzt 58 Jahre alt und habe in meinem Leben schon viele Motorradfahrer, Clubs und Menschen kennengelernt. Und eines habe ich dabei immer wieder erlebt: Es gibt unglaublich viele Vorurteile gegenüber Motorradclubs. Viele glauben ernsthaft, jeder der eine Kutte trägt, sei automatisch kriminell. Aber das ist einfach falsch.

Es gibt Menschen, die haben es sich regelrecht zur Aufgabe gemacht, Motorradclubs als etwas Gefährliches oder Böses darzustellen. In manchen Ländern gibt es sogar ein Kuttenverbot. Und da frage ich mich bis heute: Wie kann ein Stück Kleidung gefährlich sein? Eine Kutte schlägt nicht zu. Eine Kutte kennt keinen Hass, keinen Rassismus, kein Mobbing und keinen Terror. Sie ist einfach nur der „Anzug“ eines Motorradclubs – nicht mehr und nicht weniger.

Nur weil jemand längere Haare hat, tätowiert ist, einen Bart trägt, ein schweres Motorrad fährt und in einem Club ist, heißt das noch lange nicht, dass dieser Mensch kriminell ist. Aber abgestempelt wird man schnell – viel zu schnell.

Leider tragen auch gewisse YouTube-Beiträge und Geschichten dazu bei, dass Angst geschürt wird. Viele „Beweise“, die man angeblich sieht oder hört, stammen aus Erzählungen oder aus dem Fernsehen. Und manche Menschen warten regelrecht darauf, dass ein einziges Clubmitglied etwas falsch macht – nur um dann den ganzen Club in ein schlechtes Licht zu stellen.

Ob es wirklich Straftaten gibt? Das kann ich nicht sagen. Aber ich weiß, dass vieles, was über Motorradclubs erzählt wird, maßlos übertrieben ist.

Eine Erinnerung, die ich nie vergessen habe

Rodmar, ich möchte dir etwas sagen, was mir schon lange auf dem Herzen liegt. Du hast mich damals beeindruckt – und zwar richtig. Ich stand an einer Bushaltestelle, mein Motorrad hatte ein Problem, und du kamst mit deiner kleinen Tomos AT‑50 angefahren. Ohne Führerschein, aber mit einem Herzen, das größer war als jedes Motorrad.

Du hast angehalten, mich angesehen und gefragt: „Ist alles in Ordnung?“ Dieser Moment hat sich eingebrannt. Vor kurzem sagte einer meiner Söhne denselben Satz zu einem Freund – und plötzlich war die Erinnerung wieder da.

Ich habe später erfahren, dass du heute in Finnland lebst. Und ich wollte dir einfach Danke sagen. Danke für deine Ehrlichkeit, deine Hilfsbereitschaft und dafür, dass du Menschen so nimmst, wie sie sind.

Wenn du mal mitfahren willst…

Als ich dich vor kurzem fragte, ob du mal mit uns fahren willst, hast du sofort gesagt: „Ich darf nur ein 125er Motorrad mit dem B‑Führerschein fahren.“ Genau so kenne ich dich – ehrlich, korrekt, respektvoll.

Wenn du trotzdem mal mitfahren willst, Rodmar, dann organisieren wir dir ein 125er. Das ist kein Problem. Du bist immer willkommen.

Und danke, dass du diesen Text hier auf deiner Webseite veröffentlichst. Du hast die Menschen immer respektiert – so wie sie sind. Das ist selten geworden.

Hinweis zum Kinder- und Jugendschutz

Dieser Artikel richtet sich in erster Linie an erwachsene Leserinnen und Leser. Es werden keine Gewalt, keine Straftaten und keine extremen Inhalte verherrlicht. Kinder und Jugendliche, die diesen Text lesen, sollten wissen: Es geht hier vor allem um Respekt, Vorurteile und darum, Menschen nicht vorschnell zu verurteilen.

Mike