⭐ Alfred Preinfalk jr. (Rodmar, 53) – Teil 1
Ich bin Alfred Preinfalk jr., genannt Rodmar, 53 Jahre alt, und ich habe mein Leben lang Sprüche gehört, die Gewalt gegen Kinder verharmlosen, als wäre sie ein normaler Bestandteil der Erziehung. Der Satz „Eine Watsche hat noch keinem geschadet“ ist einer der schlimmsten, weil er körperliche Gewalt als harmlose Maßnahme darstellt. Kinder lernen dadurch, dass Schmerz angeblich dazugehört, obwohl Schmerz nichts lehrt außer Angst und Unsicherheit. Eltern, die so handeln, schlagen nicht aus pädagogischen Gründen, sondern weil sie sich stark fühlen wollen, indem sie jemanden treffen, der sich nicht wehren kann. Das ist kein Erziehungsstil, sondern ein Missbrauch von Macht, der langfristige seelische Schäden hinterlässt. Gewalt gegen Kinder ist niemals normal, egal wie oft man sie in Sprüche packt oder als Tradition verkauft. Viele Erwachsene reden sich ein, dass es „nicht so schlimm“ war, obwohl sie genau wissen, dass es schlimm war. Kinder tragen diese Erfahrungen ein Leben lang mit sich, auch wenn die Erwachsenen später so tun, als wäre nichts gewesen.
Der Satz „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ stammt aus dem Wild‑West‑Mythos des späten 19. Jahrhunderts und ist historisch wie moralisch falsch. Er romantisiert indigene Völker, während er gleichzeitig ihre Menschlichkeit abwertet, indem er ihnen Schmerzlosigkeit zuschreibt. Wenn man diesen Satz ernst nimmt, müsste man fragen, ob ein Cowboy dann Schmerz empfindet oder ob nur die hellere Haut empfindlich ist. Der Mythos vom tapferen Cowboy und dem bösen „Indianer“ ist ein Produkt kolonialer Erzählungen, nicht der Realität. Kinder übernehmen solche Sprüche, ohne zu verstehen, wie tief sie in rassistischen Mustern verwurzelt sind. Schmerz ist ein menschliches Signal, kein kulturelles Merkmal, und niemand ist stärker, weil er angeblich nichts fühlt. Solche Sprüche erzeugen ein Weltbild, das Härte glorifiziert und Empathie abwertet. Sie vermitteln Kindern, dass Gefühle ein Fehler sind, obwohl Gefühle ein Teil der menschlichen Wahrheit sind.
Das Spiel „Cowboy und Indianer“ entstand im späten 19. Jahrhundert in den USA, als der Wilde Westen romantisiert wurde und die Realität der indigenen Bevölkerung ignoriert wurde. Es zeigt den Cowboy als den Guten und den „Indianer“ als das Böse, obwohl die historische Wahrheit viel komplexer und tragischer war. Kinder spielen damit eine vereinfachte Version kolonialer Konflikte nach, ohne zu verstehen, was dahinter steckt. In Europa wurde das Spiel später zu „Räuber und Gendarm“ umgebaut, entstanden im frühen 20. Jahrhundert, und auch hier ist die Rollenverteilung einseitig. Es gibt genügend Fälle, in denen Polizisten selbst Verbrechen begangen haben, aber im Spiel ist die Polizei immer gut und der Räuber immer böse. Kinder lernen dadurch, dass Macht automatisch Recht hat und dass Menschen ohne Macht automatisch verdächtig sind. Solche Spiele prägen Weltbilder, bevor Kinder überhaupt verstehen, was Gerechtigkeit bedeutet. Sie übernehmen Rollen, die ihnen ein Schwarz‑Weiß‑Bild der Welt vermitteln, das später schwer zu korrigieren ist.
Die Kissenschlacht wirkt harmlos, aber wenn man genauer hinsieht, ist sie eine verpackte Form von Gewalt, die oft unterschätzt wird. Ein Kissen ist weich, doch was wäre, wenn darin ein schwerer Gegenstand versteckt wäre, den niemand bemerkt? Dann wäre es plötzlich eine Waffe, auch wenn niemand es so nennen möchte, weil es ja „nur ein Spiel“ ist. Selbst das Füllmaterial eines Kissens kann gefährlich werden, wenn es in die Atemwege gelangt und Panik auslöst. Aber wie immer muss erst etwas passieren, bevor man es ernst nimmt und darüber nachdenkt. Kinder lernen dadurch, dass Gewalt lustig sein kann, wenn man sie weich verpackt und mit Lachen überdeckt. Doch Gewalt bleibt Gewalt, auch wenn sie in Federn steckt und mit Spaß verwechselt wird. Viele Erwachsene merken nicht, wie schnell harmlose Spiele kippen können, wenn niemand hinsieht.
Besonders gefährlich wird es, wenn Kinder in ihren Zimmern Waffen, verbotene Symbole oder extremistische Gegenstände sammeln, ohne dass jemand eingreift. Wenn ein Kind ein Hakenkreuz besitzt, eine verbotene Flagge sammelt oder echte Waffen hortet, ist das kein „Interesse“, sondern ein deutliches Warnsignal. Hier frage ich mich, was mit den Eltern los ist, die das zulassen oder sogar fördern, als wäre es ein harmloses Hobby. In Deutschland gab es Fälle, in denen Jugendliche Gebäude angezündet haben, und niemand fragte, warum die Eltern das nicht verhindert haben. In den USA gibt es bereits Gesetze, die Eltern bestrafen, wenn sie Waffen ungesichert im Haus lassen, und das ist absolut notwendig. Kinder, die mit Hass, Gewalt und Radikalisierung aufwachsen, halten all das für normal, weil sie es täglich sehen. Sie übernehmen die Ideologien, die ihnen vorgelebt werden, nicht die, die man ihnen theoretisch erklärt. Und die Schuldigen sind dann angeblich immer die anderen, die „bösen Menschen aus einem anderen Land“, obwohl die Ursachen im eigenen Zuhause liegen.
Iron Maiden veröffentlichte 1986 den Song „Stranger in a Strange Land“ auf dem Album „Somewhere in Time“, und dieser Titel passt perfekt zu meiner eigenen Situation. Ich bin ein Fremder in einem fremden Land, obwohl ich niemandem etwas getan habe und einfach nur ein neues Leben gesucht habe. Manche Menschen glauben, dass jemand, der auswandert, seinem Heimatland den Rücken kehrt, als wäre Loyalität ein geografischer Zwang. Aber die wahren Gründe interessieren sie nicht, denn sie sehen nur das Klischee und nicht die Geschichte dahinter. Dann gibt es Menschen, die glauben, sie stammen aus einem „arischen Land“, obwohl dieses Land wissenschaftlich nicht existiert und nie existiert hat. Eine Isotopenanalyse würde zeigen, dass Herkunft komplex ist und nichts mit solchen Fantasiebegriffen zu tun hat. Diese Ideologie ist historisch widerlegt und basiert auf Mythen, nicht auf Fakten oder Wissenschaft. Wer Herkunft als Wert misst, hat nicht verstanden, dass Menschlichkeit keine Grenzen kennt.
⭐ Alfred Preinfalk jr. (Rodmar, 53) – Teil 2
Der Gedanke eines „arischen Landes“ ist eine pseudowissenschaftliche Erfindung aus dem frühen 20. Jahrhundert, die keinerlei realen geografischen Bezug hat und ausschließlich aus Ideologie entstanden ist. Es gibt keinen Ort auf der Welt, der wissenschaftlich als „arisch“ bezeichnet werden kann, und keine Karte zeigt ein solches Land. Genetische Forschung belegt eindeutig, dass Menschen über Jahrtausende hinweg gewandert, vermischt und kulturell verbunden sind. Trotzdem halten manche Menschen an dieser Fantasie fest, als wäre sie ein historischer Fakt, obwohl sie nie existiert hat. Ich habe selbst nachgesehen – Google Maps zeigt nichts, Atlanten zeigen nichts, und die Wissenschaft zeigt ebenfalls nichts. Herkunft ist komplex und vielfältig, nicht rein, nicht einfarbig und nicht mythologisch. Ideologien, die Reinheit behaupten, ignorieren die Realität menschlicher Vielfalt und ersetzen sie durch einfache, aber gefährliche Geschichten. Solche Vorstellungen sind nicht nur falsch, sondern auch schädlich, weil sie Menschen voneinander trennen, statt sie zu verbinden.
Die Kleidung solcher Ideologien ist oft komplett weiß, als wäre Farbe eine Bedrohung oder ein Zeichen von Unreinheit. Weiße Hemden, weiße Hosen und weiße Schuhe sollen angeblich Reinheit symbolisieren, obwohl sie nur künstlich steril wirken. Die Inneneinrichtung ist genauso aufgebaut: weiße Wände, weiße Möbel, weiße Bettwäsche, und alles soll gleich aussehen. Nur der Spiegel darf glänzen, weil er das eigene Gesicht zeigt, das angeblich „rein“ ist und sich von anderen abheben soll. Doch Reinheit ist kein Wert, sondern ein ästhetischer Zwang, der nichts mit Realität oder Menschlichkeit zu tun hat. Kinder, die in solchen Räumen aufwachsen, lernen, dass Vielfalt gefährlich ist und dass Unterschiede vermieden werden müssen. Dabei ist Vielfalt das, was Menschen menschlich macht und ihnen Identität gibt. Ein Raum voller Weiß ist kein Zeichen von Stärke, sondern ein Zeichen von Angst vor dem Leben und seinen Farben.
Wenn Kinder in solchen Ideologien groß werden, lernen sie früh, dass Gewalt normal ist und dass Härte ein Zeichen von Stärke sein soll. Sie sehen Waffen als Spielzeug, Hass als Meinung und Radikalisierung als eine Art Mutprobe, die sie bestehen müssen. Eltern, die das zulassen, tragen Verantwortung, auch wenn sie sie nicht sehen wollen oder sich selbst belügen. In manchen Ländern werden Eltern bereits bestraft, wenn sie Waffen ungesichert lassen, und das ist absolut notwendig. Denn Kinder übernehmen das, was sie sehen, nicht das, was man ihnen theoretisch erklärt oder predigt. Wenn ein Kind lernt, dass Gewalt Macht bedeutet, wird es Gewalt anwenden, weil es glaubt, dass dies normal ist. Wenn ein Kind lernt, dass Hass normal ist, wird es hassen, weil es nie etwas anderes gelernt hat. Und wenn ein Kind lernt, dass andere Menschen „böse“ sind, wird es nie verstehen, was Menschlichkeit bedeutet.
Radikalisierung beginnt oft im Kinderzimmer, lange bevor jemand es bemerkt oder ernst nimmt. Ein Poster, eine Flagge oder ein Symbol kann ausreichen, um ein Weltbild zu formen, das niemand kontrolliert. Kinder sind neugierig, aber sie sind auch beeinflussbar, und das macht sie besonders verletzlich gegenüber extremistischen Ideen. Wenn Eltern nicht hinschauen, übernehmen Kinder Ideologien, die sie nicht verstehen und deren Folgen sie nicht einschätzen können. Später fragt man sich, warum Jugendliche Gewalt anwenden oder extremistische Gruppen unterstützen, obwohl die Antwort oft im eigenen Zuhause liegt. Radikalisierung entsteht nicht plötzlich, sondern wächst langsam, oft unbemerkt, durch Worte, Bilder und Vorbilder. Wer Kinder allein lässt, lässt sie nicht frei, sondern lässt sie in die Hände derjenigen, die ihnen einfache Antworten geben. Und einfache Antworten sind selten die richtigen, besonders wenn sie auf Hass und Gewalt beruhen.
Ich, Rodmar, bin ein Fremder in einem fremden Land, aber ich bin kein „böser Mensch“, auch wenn manche Menschen das gerne so sehen würden. Ich bin einfach jemand, der aus Oberösterreich nach Finnland ausgewandert ist, weil ich einen Neuanfang brauchte und mein Leben verändern wollte. Manche Menschen glauben, dass Auswandern Verrat ist, als wäre Loyalität ein geografischer Zwang, den man nicht brechen darf. Die wahren Gründe interessieren sie nicht, denn sie sehen nur das Klischee und nicht die Geschichte dahinter. Iron Maiden hat es gut beschrieben: „Stranger in a Strange Land“ – ein Fremder in einer fremden Welt, der trotzdem seinen Weg geht. Fremdsein ist keine Schuld, sondern eine Erfahrung, die zeigt, wie groß die Welt ist und wie klein Vorurteile werden können. Wer Herkunft als Wert misst, hat nicht verstanden, dass Menschlichkeit keine Grenzen kennt und keine Flaggen braucht. Ich lebe hier, weil ich leben möchte, nicht weil ich jemandem etwas wegnehmen will.
Wenn jemand wirklich wissen möchte, warum ich ausgewandert bin, dann soll er einfach fragen, statt zu urteilen oder zu spekulieren. Ich erzähle die Wahrheit, und sie ist nachprüfbar, nicht erfunden und nicht dramatisiert. Aber viele Menschen wollen keine Wahrheit, sondern nur ihre eigene Geschichte bestätigt sehen, weil sie einfacher ist. Sie glauben an Länder, die nicht existieren, an Reinheit, die nicht real ist, und an Gewalt, die angeblich normal ist. Doch Gewalt ist niemals normal, egal wie man sie verpackt oder wie oft man sie wiederholt. Rassismus ist niemals normal, egal wie man ihn nennt oder wie man ihn rechtfertigt. Radikalisierung ist niemals normal, egal wie harmlos sie beginnt oder wie leise sie sich einschleicht. Wer das nicht erkennt, hat nicht verstanden, wie schnell Worte zu Taten werden können.